Ottmar Hörl (D)
29.10.2005
Ben, der betende (Garten-)Zwerg
Erstpräsentation art.fair Köln 29.10. - 01.11.2005,
Maisenbacher Art Gallery Trier-Berlin

Foto: Sven Hoffmann
„Für mich ist der Zwerg ein soziologisches Phänomen, das seinen Ursprung in der europäischen Mythologie hat und in Form des Gartenzwerges zum Ende des 19. Jahrhunderts eine popoläre Form bekam“
So repräsentiert der Gartenzwerg ein pragmatisches Verhältnis zum Leben. Er visualisiert all die in den Sagen, Märchen und Legenden ihm zugeschriebenen Fähigkeiten eines geschickten Handwerkers und Helfers. Den anfänglich als „Statue des kleinen Mannes“ bezeichneten Gartenzwerg, der die Schrebergärten der Industriearbeiter mit seiner Zipfelmütze (adäquat zu den Bergarbeitern im Mittelalter), seinem Bart und seinen starken Schuhen zeichnete, hat Ottmar Hörl erstmals im Jahr 1985 neu positioniert. In der Frankfurter Galerie AK fixierte er diesen während der Ausstellung „gelb-snydrom“ mit dem Kopf nach unten an den Wänden. Im Jahr 1994 folgte eine konzeptionelle Stadtbesetzung: mit der in ganz Seligenstadt realisierten Installation „Fliegender Wechsel“ von insgesamt 1.000 blauen Gartenzwergen („Stinkefinger“) wurde dieser Teil eines künstlerischen Konzeptes, der Kommunikation im öffentlichen Raum. Diese Adaption projizierte Ottmar Hörl 1998 auf seine Großskulptur mit 4.000 Gartenzwergen auf dem Max-Josef-Platz in München. Anläßlich der Internationalen Opernfestspiele begrüßten dort seine um die Statue des ersten Bayerischen Königs streng geordneten „Welcome“-Zwerge das Publikum. Daß den Künstler der „Unschuld“-Seife (mit einer Editions-Auflage von 82 Millionen) diesen das Jahr 2005 prägenden Satz „Wir sind Papst“ nicht unberührt lassen konnte, versteht sich aus dem Prinzip des öffentlichen Dialogs in der Werkstruktur von Ottmar Hörl. „Ben“, der betende Gartenzwerg, ist somit eine Folge davon. Der in Köln zusätzlich 2005 ausgerichtete Weltkirchentag verlangte geradezu die auf der art.fair cologne 2005 statt findende Erstpräsentation dieses Kunst-Multiples.
„Das Beten als Symbol für geistig-philosophische Fähigkeiten – aber genauso als gesellschafts-verbindende, wie auch weltweit verstandene Geste – wird mit einem Multiple dem Gartenzwerg zuerkannt. Er agiert nicht nur, sondern er bezieht Stellung.“
http://www.ottmarhoerl.de
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